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YACHT AS A SERVICE

Yacht as a Service: Warum Werften und Händler den Kunden endlich ganzheitlich sehen müssen

1. Die entscheidende Veränderung im Yachtgeschäft

Die deutsche Segelyachtbranche steht vor einem grundlegenden Wandel.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr:

Wie verkaufen wir möglichst viele neue Yachten?

Die entscheidende Frage lautet:

Wie schaffen wir es, dass Menschen wieder gerne Eigentümer einer Yacht werden und den Besitz über viele Jahre als Bereicherung und nicht als zusätzliche Belastung empfinden?

Denn genau hier liegt das Problem des heutigen Yachtbesitzes.

Eine Segelyacht zu kaufen ist emotional einfach. Der Kunde sieht das Schiff, stellt sich die erste Reise vor, denkt an die Familie, an die Ostsee, an Dänemark, Schweden oder das Mittelmeer und möchte eigentlich nur eines:

lossegeln.

Nach dem Kauf stellt er jedoch fest, dass er nicht nur eine Yacht gekauft hat.

Er hat auch Wartung, Liegeplatz, Winterlager, Reinigung, Motorservice, Elektronik, Rigg, Segel, Batterien, Wasser, Abwasser, Versicherungen, Reparaturen und unzählige organisatorische Aufgaben gekauft.

Der Kunde wollte Freizeit.

Er bekommt ein zusätzliches Projekt.

Genau darin liegt eine der größten Chancen für die Branche.

2. Die eigentliche Konkurrenz ist nicht die andere Werft

Die Konkurrenz der modernen Yachtbranche ist nicht nur Bavaria gegen Hanse, Hanse gegen Jeanneau oder Werft gegen Werft.

Die eigentliche Konkurrenz lautet:

Yachtbesitz gegen Charter.

Yachtbesitz gegen Miete.

Yachtbesitz gegen Fractional Ownership.

Und vor allem:

Yachtbesitz gegen die Entscheidung, überhaupt kein Boot zu besitzen.

Denn ein potenzieller Kunde mit ausreichendem Einkommen fragt sich heute nicht nur, ob er sich eine Yacht leisten kann.

Er fragt:

„Will ich mich wirklich darum kümmern?“

Diese Frage ist wesentlich wichtiger als viele Verkaufsabteilungen glauben.

Der Kaufpreis ist nur die erste Entscheidung.

Die zweite Entscheidung lautet:

Was kostet mich dieses Schiff an Zeit?

Und die dritte:

Wie viel Aufwand habe ich damit?

Wenn ein Kunde beispielsweise mehrere hunderttausend Euro für eine Segelyacht ausgibt, sie aber nur wenige Wochen im Jahr nutzt und während der übrigen Zeit ständig organisatorische Aufgaben anfallen, kann der Besitz irgendwann unattraktiv werden.

Die laufenden Kosten eines Bootes umfassen neben Anschaffung und Wertverlust unter anderem Liegeplatz, Versicherung, Wartung, Reparaturen, Winterlager und weitere laufende Aufwendungen.

Quelle:

https://www.yachtworld.de/research/was-kostet-die-unterhaltung-eines-bootes-im-jahr

3. Der Kunde kauft keine Yacht

Er kauft Zeit auf dem Wasser.

Das ist der entscheidende Perspektivwechsel.

Der Kunde möchte nicht Wasser kaufen.

Er möchte nicht Diesel kaufen.

Er möchte nicht Winterlager kaufen.

Er möchte nicht Antifouling kaufen.

Er möchte nicht Batteriemanagement kaufen.

Er möchte nicht einmal unbedingt Wartung kaufen.

Er möchte:

ankommen, an Bord gehen und segeln.

Das eigentliche Produkt heißt deshalb nicht Wartung.

Das eigentliche Produkt heißt:

Abfahrtsbereitschaft

Man könnte daraus sogar eine neue Kennzahl für die Branche entwickeln:

Time to Sea

Wie lange benötigt der Eigentümer vom Eintreffen an seiner Yacht bis zum Ablegen?

Eine moderne Yacht as a Service Organisation müsste versuchen, diese Zeit so weit wie möglich zu reduzieren.

Der Kunde kommt Freitagabend.

Das Schiff ist sauber.

Die Batterien sind geladen.

Der Wassertank ist voll.

Der Motor ist geprüft.

Die Segel sind kontrolliert.

Die Technik funktioniert.

Die notwendigen Wartungsarbeiten sind erledigt.

Der Kunde muss nichts organisieren.

Er geht an Bord.

Leinen los.

Das ist das Erlebnis, für das er die Yacht gekauft hat.

4. Der Markt zeigt bereits, wohin die Reise geht

Die Entwicklung im deutschen Wassersportmarkt liefert dafür interessante Hinweise.

Das Konjunkturbarometer der deutschen Wassersportwirtschaft zeigt, dass sich die Marktbedingungen unterscheiden und insbesondere kleinere Boote und bestimmte Marktsegmente unter Druck stehen, während Dienstleistungen, Charter und höherpreisige Segmente teilweise stabiler beziehungsweise positiver bewertet werden.

Quelle:

https://www.yacht.de/yachten/werften/konjunkturbarometer-2025-so-geht-s-der-wassersportbranche-in-deutschland

Das ist ein bemerkenswertes Signal.

Der Markt sagt damit nicht, dass Menschen das Segeln nicht mehr wollen.

Er sagt vielmehr:

Der Kunde wird vorsichtiger damit, wie er seinen Zugang zum Segeln organisiert.

Das ist ein großer Unterschied.

Der Wunsch nach dem Erlebnis bleibt.

Die Bereitschaft, die gesamte Last des Besitzes selbst zu tragen, sinkt.

5. Einige deutsche Unternehmen haben die Entwicklung bereits verstanden

Deshalb wäre es falsch zu behaupten, die deutsche Yachtbranche hätte das Thema Service nicht verstanden.

Das Gegenteil ist der Fall.

Es gibt bereits mehrere Unternehmen, die wichtige Elemente von Yacht as a Service umsetzen.

Der Unterschied besteht darin, wie konsequent sie diesen Gedanken verfolgen.

6. Sirius

Sirius ist eines der klarsten Beispiele.

Die Werft beschreibt ausdrücklich, dass sie nicht nur neue Yachten baut, sondern ihre Kunden beziehungsweise Yachten über die gesamte Lebensdauer begleitet.

Dazu gehören Service, Reparaturen, Refits und Umbauten.

Besonders bemerkenswert ist, dass Sirius mit eigenen voll ausgestatteten Servicefahrzeugen zu seinen Kunden fährt.

Quelle:

Damit wird Service nicht einfach als notwendige Reparaturabteilung verstanden.

Service wird Bestandteil der Marke.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Sirius formuliert auf der eigenen Serviceseite ausdrücklich, dass man nicht nur im ersten Jahr für die Kunden da sein möchte, sondern über die gesamte Lebensdauer einer Yacht.

Quelle:

7. YYachts

Noch interessanter ist YYachts.

Die Werft in Greifswald verbindet den Neubau hochwertiger Carbon Segelyachten mit persönlicher Betreuung und einem eigenen weltweiten After Sales Service.

YYachts weist ausdrücklich einen Worldwide After Sales Service aus.

Quelle:

Damit endet die Beziehung zwischen Werft und Kunde nicht automatisch mit der Übergabe.

Noch interessanter wird es, wenn man das gesamte Geschäftsmodell betrachtet.

YYachts verbindet Neubau, After Sales und weitere Dienstleistungen rund um die Yacht.

Damit entsteht bereits ein Lebenszyklus, der deutlich weiter reicht als der reine Verkauf.

Quelle:

Das ist genau der Kern von Yacht as a Service.

Nicht der einzelne Service ist entscheidend.

Entscheidend ist, dass die Beziehung zum Kunden über den gesamten Lebenszyklus der Yacht erhalten bleibt.

8. Knierim

Auch Knierim Yachtbau zeigt, wie weit ein klassischer Yachtbauer in Richtung langfristiger Betreuung gehen kann.

Knierim verbindet den Yachtbau mit umfassenden Werftleistungen, Reparaturen, Wartung und Refits.

Besonders relevant ist die Verbindung von Werftbetrieb und langfristiger Betreuung der Yacht.

Quelle:

https://www.knierim-yachtbau.de/

Das ist bereits sehr nah an dem Gedanken:

„Wir bauen nicht nur deine Yacht. Wir kümmern uns darum, dass sie weiter funktioniert.“

9. Yachtwerft Glückstadt

Die Yachtwerft Glückstadt nennt ihr Angebot ausdrücklich Rundum-Service aus einer Hand.

Neubau, Yachtservice, Pflege, Refit, Winterlager, Lackierung, Motoren, Yachttechnik, Elektrik, Elektronik und weitere Leistungen befinden sich unter einem Dach.

Quelle:

https://www.ywg.de

Besonders interessant ist die Betonung des engen Kundenkontakts und der individuellen Beratung.

Die Werft erklärt ausdrücklich, dass sie ihre Kunden individuell berät und flexibel auf deren Anforderungen und Wünsche reagiert.

Quelle:

https://www.ywg.de

Noch deutlicher wird der Ansatz beim Refit.

Die Yachtwerft Glückstadt bietet professionelles Projektmanagement für umfangreiche Refits an und begleitet den Kunden während des gesamten Projektes mit Reports und transparenter Dokumentation.

Quelle:

https://www.ywg.de/11/yachtrefit-und-projektmanagement

Das ist bereits mehr als klassische Reparatur.

Es ist Kundenbetreuung über einen längeren Lebensabschnitt der Yacht.

10. Böbs Werft

Die Böbs Werft zeigt wiederum sehr deutlich, welches Potenzial im Refitgeschäft liegt.

Die Werft bietet Refit für Yachten unterschiedlicher Art und unterschiedlichen Alters an.

Dabei werden Wartung, Reinigung, technische Systeme, sicherheitsrelevante Komponenten, Lackierung, Unterwasserschiff, Osmosesanierung, Teakdeck, Innenausbau und sogar komplette Sanierungen angeboten.

Quelle:

Das ist deshalb interessant, weil eine Yacht nicht nach zehn Jahren wertlos wird.

Im Gegenteil.

Eine gut gebaute Yacht kann über Jahrzehnte modernisiert werden.

Für die Werft bedeutet das:

Der Lebenszyklus des Schiffes ist nicht das Ende des Geschäfts. Er ist ein eigenes Geschäftsfeld.

Auch die Böbs Werft selbst beschreibt ihr Angebot als umfassendes Spektrum für Motor- und Segelyachten und nennt Inspektionen, Reparaturen, Umbauten und komplette Yacht Refits.

Quelle:

11. Rathje Werft

Rathje in Kiel geht ebenfalls deutlich über die klassische Reparaturwerft hinaus.

Das Unternehmen verbindet Yachtservice mit Refit, Technik, Motor, Mast und Rigg sowie Havarie Service.

Quelle:

Besonders interessant ist der Havarie Service.

Rathje beschreibt nicht nur die technische Hilfe, sondern auch komplettes Schadensmanagement.

Quelle:

Damit entwickelt sich die Werft vom reinen Handwerksbetrieb zum Problemlöser des Eigners.

Auch der Hol und Bringservice ist interessant.

Rathje übernimmt bei Bedarf den Transport des Schiffes zur Werft und bietet Winterlager inklusive Full Service an.

Quelle:

Das ist ein wichtiger Schritt.

Denn die moderne Werft darf nicht mehr darauf warten, dass der Kunde sein Problem zur Werft bringt.

Die Werft muss zum Kunden kommen.

12. TIAMARE

TIAMARE in Kröslin ist für diese Entwicklung besonders interessant.

Seit dem 1. Januar 2026 betreibt TIAMARE den Werkstattbetrieb der Marina Kröslin.

Das Unternehmen positioniert sich ausdrücklich mit Service direkt am Liegeplatz, Rundumbetreuung für Privat und Charteryachten, transparenten Preisen und persönlichen Ansprechpartnern.

Quelle:

https://www.tiamare.de

Besonders interessant ist die Zielgruppe der Eigner, die nicht dauerhaft vor Ort wohnen.

TIAMARE beschreibt die eigene Lage mit mehr als 500 Dauer und Gastliegern und betont, dass die Werft auch für Eigner interessant ist, die selbst weit entfernt wohnen.

Quelle:

https://www.tiamare.de

Hier wird aus einer Reparaturleistung bereits eine dauerhafte Beziehung.

Der Kunde muss nicht jedes Jahr neu erklären, wer er ist und was sein Schiff braucht.

Die Werft kennt das Schiff.

Sie kennt den Eigentümer.

Sie kennt die Historie.

Und sie weiß, was vor der nächsten Saison zu tun ist.

Das ist genau die Richtung, in die Yacht as a Service gehen muss.

13. Auch Hanse zeigt, dass sich die Branche bewegt

Auch bei Hanse wäre es falsch, von einem fehlenden Serviceverständnis zu sprechen.

Im Gegenteil.

Hanse formuliert auf der eigenen Website ausdrücklich:

„Zu einer Hanse gehört mehr als nur die Yacht.“

Das Unternehmen bietet über seine Händler unter anderem Winterlager, Wartung und weitere Dienstleistungen an.

Auch Skipper Service und weitere Leistungen werden ausdrücklich genannt.

Quelle:

https://hanseyachts.com/de/haendler-dienste

Das ist ein wichtiger Schritt.

Hanse erkennt damit bereits an, dass der Wert einer Yacht nicht nur im physischen Produkt liegt.

Aber das Modell ist stark über das Händlernetz organisiert.

Und genau darin liegt möglicherweise die nächste Herausforderung:

Der Kunde hat nicht zwingend eine einzige zentrale Organisation, die seinen gesamten Yachtlebenszyklus steuert.

Er hat möglicherweise:

Hanse.

Händler.

Marina.

Werft.

Techniker.

Segelmacher.

Elektroniker.

Versicherung.

Und weitere Dienstleister.

Das kann funktionieren.

Aber es ist noch nicht dasselbe wie ein vollständig integriertes Yacht as a Service Modell.

14. BAVARIA

Auch BAVARIA verfügt über ein umfangreiches Händler und Servicenetz.

Ersatzteile und Serviceleistungen werden über Händler und Partner organisiert.

Quelle:

https://www.bavariayachts.com/de-de/service/haendlersuche

Damit ist auch BAVARIA eindeutig nicht als Unternehmen zu bezeichnen, das den Kunden nach dem Verkauf einfach vergisst.

Die entscheidende Frage ist vielmehr:

Ist das bereits ein integriertes Lebenszyklusmodell oder überwiegend ein klassischer After Sales und Händler Service?

Das ist ein wichtiger Unterschied.

15. Der entscheidende Unterschied

Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen:

After Sales Service

und

Yacht as a Service.

After Sales bedeutet häufig:

Der Kunde hat ein Problem.

Der Kunde meldet sich.

Die Werft reagiert.

Die Reparatur wird durchgeführt.

Die Rechnung wird gestellt.

Yacht as a Service bedeutet:

Die Werft weiß bereits, was wahrscheinlich als Nächstes notwendig wird.

Sie überwacht das Schiff.

Sie plant die Wartung.

Sie organisiert das Winterlager.

Sie bereitet die Yacht auf die Saison vor.

Sie kennt die Wünsche des Eigners.

Sie weiß, wann der Kunde segeln möchte.

Und sie sorgt dafür, dass das Schiff dann bereitsteht.

Der Unterschied ist der Wechsel von reaktiv zu proaktiv.

Genau darin liegt die Zukunft.

16. Der Kunde muss als Gesamtheit verstanden werden

Eine Werft darf den Kunden nicht mehr als Kaufvertrag betrachten.

Der Kunde ist eine Person mit einem bestimmten Lebensstil.

Er hat eine Familie.

Er hat ein bestimmtes Zeitbudget.

Er hat technische Kenntnisse.

Er hat ein bevorzugtes Revier.

Er hat finanzielle Möglichkeiten.

Er hat bestimmte Erwartungen.

Und vor allem hat er Aussagen.

Diese Aussagen sind wertvoll.

Wenn ein Kunde sagt:

„Wir würden eigentlich gerne öfter segeln, aber wir haben keine Zeit.“

dann ist das keine beiläufige Bemerkung.

Das ist eine Produktidee.

Wenn er sagt:

„Mich nervt jedes Frühjahr die Vorbereitung.“

ist das eine Produktidee.

Wenn er sagt:

„Ich wohne 600 Kilometer entfernt und weiß nie, was mit meinem Boot passiert.“

ist das eine Produktidee.

Wenn er sagt:

„Ich möchte einfach Freitag kommen und losfahren.“

ist das möglicherweise bereits die Beschreibung eines neuen Geschäftsmodells.

Die Kunden liefern den Werften ihre Produktentwicklung frei Haus.

Man muss nur zuhören.

17. Die größte Ressource der Werft ist nicht die Halle

Es ist die Kundenbeziehung.

Eine Werft, die ein Schiff zehn Jahre betreut, weiß mehr über dieses Schiff als jeder neue Dienstleister.

Sie weiß:

Wann wurde der Motor gewartet?

Wann wurde das Rigg kontrolliert?

Welche Elektronik wurde eingebaut?

Welche Probleme gab es?

Welche Reparaturen wurden durchgeführt?

Welche Segel wurden ersetzt?

Welche Batterien sind an Bord?

Welche Umbauten wurden vorgenommen?

Wie nutzt der Kunde seine Yacht?

Diese Informationen sind extrem wertvoll.

Daraus kann eine digitale Lebensakte der Yacht entstehen.

Und diese Lebensakte kann wiederum zum wichtigsten Instrument für den späteren Verkauf werden.

18. Der Gebrauchtmarkt ist deshalb kein Gegner des Neubooteverkaufs

Er kann dessen verlängerten Arm bilden.

Eine zehn Jahre alte Yacht mit lückenloser Servicehistorie ist etwas anderes als eine zehn Jahre alte Yacht, über deren Geschichte wenig bekannt ist.

Wenn die Werft die gesamte Historie dokumentiert, kann sie beim späteren Verkauf erneut auftreten.

Damit verschwindet der Kunde nicht aus dem System.

Er kann vom Neukunden zum Eigner werden.

Vom Eigner zum Gebrauchtkunden.

Vom Gebrauchtkunden wieder zum Neukunden.

Und dazwischen bleibt die Werft Ansprechpartner für Service, Refit und Nutzung.

Gerade YYachts zeigt, wie sich Neubau und After Sales zu einer längerfristigen Kundenbeziehung verbinden lassen.

Quelle:

19. Die Werft der Zukunft verkauft nicht mehr nur Schiffe

Sie verkauft:

Yachten.

Service.

Refit.

Winterlager.

Liegeplätze.

Wartung.

Technik.

Rigg.

Elektronik.

Reinigung.

Chartermanagement.

Brokerage.

Wiederverkauf.

Modernisierung.

Und vor allem:

Vertrauen.

Das verändert auch die wirtschaftliche Betrachtung.

Ein Kunde, der eine Yacht für mehrere hunderttausend Euro kauft, ist nicht nur ein Kunde mit einem einmaligen Umsatz.

Er kann über zehn oder fünfzehn Jahre zusätzlichen Umsatz durch Service, Refit, Winterlager, Zubehör und spätere Transaktionen erzeugen.

Die entscheidende Kennzahl darf deshalb nicht mehr nur lauten:

Wie viele Yachten haben wir dieses Jahr verkauft?

Sie sollte auch lauten:

Wie hoch ist der Customer Lifetime Value unseres Eigners?

Und:

Wie viele Jahre bleibt dieser Eigner bei uns?

20. Ein neues Geschäftsmodell könnte daraus entstehen

Ich würde deshalb drei Stufen entwickeln.

Yacht Basic

Der Kunde kauft seine Yacht.

Dazu gehören eine digitale Yachtakte, ein Wartungsplan und ein persönlicher Ansprechpartner.

Yacht Comfort

Zusätzlich erhält der Kunde:

Liegeplatz.

Winterlager.

Frühjahrsservice.

Reinigung.

Batteriemanagement.

Wasser.

Abwasser.

Technische Kontrolle.

Wartungsorganisation.

Yacht Premium

Der Kunde muss sich praktisch um nichts mehr kümmern.

Er sagt:

„Wir kommen am 14. Juni.“

Die Werft sorgt dafür, dass das Schiff bereitsteht.

Wasser ist voll.

Batterien sind geladen.

Kühlschrank läuft.

Technik funktioniert.

Yacht ist sauber.

Segel und Rigg sind kontrolliert.

Der Kunde kommt und segelt.

Das ist eine echte Veränderung des Wertversprechens.

21. Yacht as a Service kann sogar den Kaufpreis relativieren

Der Kunde denkt heute:

„400.000 Euro für eine Yacht.“

Die Branche könnte künftig sagen:

„Was kostet Sie ein sorgenfreier Monat auf dem Wasser?“

Das ist psychologisch eine völlig andere Betrachtung.

Der Kunde kauft nicht mehr nur einen Gegenstand.

Er kauft eine Nutzung.

Das eröffnet außerdem Modelle wie:

Fractional Ownership.

Chartermanagement.

Eigentümergemeinschaften.

Yacht Abos.

Saisonpakete.

Serviceverträge.

Und Kombinationen daraus.

Hanse zeigt bereits heute, dass Serviceleistungen wie Winterlager, Wartung und Skipper Service Teil des Händlerangebots sein können.

Quelle:

https://hanseyachts.com/de/haendler-dienste

22. Die Zukunft könnte deshalb ein hybrides Modell sein

Ein Kunde kauft beispielsweise 100 Prozent einer Yacht.

Er kann aber entscheiden, ob er die Yacht komplett selbst nutzt.

Oder er gibt bestimmte Wochen für Charter frei.

Oder er nutzt einen Servicevertrag.

Oder er beteiligt andere Eigentümer.

Oder er wechselt später in ein anderes Modell.

Die Werft bleibt dabei der zentrale Ansprechpartner.

Damit verschwindet eine der größten Ängste des Käufers:

„Was mache ich, wenn ich die Yacht irgendwann nicht mehr nutzen möchte?“

Die Antwort lautet:

„Wir kümmern uns darum.“

23. Die Branche muss von Besitz zu Nutzung denken

Das ist vermutlich die wichtigste Erkenntnis der gesamten Analyse.

Die Zukunft des Segelyachtmarktes besteht nicht zwingend darin, mehr Yachten zu verkaufen.

Sie besteht darin, mehr Nutzung aus jeder Yacht herauszuholen.

Wenn eine Yacht statt 20 Tagen plötzlich 45 Tage im Jahr genutzt wird, steigt ihr wahrgenommener Wert enorm.

Wenn der Kunde nicht mehr zwei Wochen auf einen Werfttermin warten muss, steigt die Zufriedenheit.

Wenn die Yacht vorbereitet am Liegeplatz liegt, steigt die Nutzungswahrscheinlichkeit.

Wenn Reparaturen proaktiv erkannt werden, sinkt der Ärger.

Wenn der Kunde weiß, dass sich jemand um das Schiff kümmert, sinkt die mentale Belastung.

Damit wird Yachtbesitz wieder attraktiv.

24. Was die Branche deshalb lernen muss

Die entscheidende Veränderung ist nicht technisch.

Sie ist kulturell.

Die Werft muss aufhören zu denken:

„Wir haben das Schiff verkauft.“

Sie muss anfangen zu denken:

„Wir haben einen Eigner gewonnen.“

Der Händler muss aufhören zu denken:

„Die Provision ist verdient.“

Er muss denken:

„Jetzt beginnt unsere langfristige Kundenbeziehung.“

Die Serviceabteilung darf nicht länger nur als Kostenstelle betrachtet werden.

Sie kann eine der wichtigsten Umsatzquellen und gleichzeitig eines der stärksten Kundenbindungsinstrumente des Unternehmens werden.

25. Die Beispiele zeigen, dass der Wandel bereits begonnen hat

Sirius zeigt, wie persönliche Betreuung und Service über die gesamte Lebensdauer einer Yacht aussehen können.

Quelle:

YYachts verbindet Neubau, persönliche Betreuung und weltweiten After Sales Service.

Quelle:

Knierim verbindet Yachtbau mit umfangreichen Werft und Serviceleistungen.

Quelle:

https://www.knierim-yachtbau.de/

TIAMARE zeigt mit der Betreuung direkt am Liegeplatz, wie aus klassischem Werftservice eine dauerhafte Eignerbeziehung werden kann.

Quelle:

https://www.tiamare.de

Rathje verbindet Yachtservice, Refit, Technik, Havarie Service und Winterlager.

Quelle:

Yachtwerft Glückstadt bietet einen sehr breiten Rundum Service aus einer Hand und betont die persönliche Betreuung.

Quelle:

https://www.ywg.de

Böbs zeigt, wie weit ein Refitangebot reichen kann und wie aus einer älteren Yacht wieder ein modernes, hochwertiges Schiff werden kann.

Quelle:

Hanse zeigt, dass auch ein großer Serienhersteller Serviceleistungen wie Winterlager, Wartung und Skipper Service über sein Händlernetz anbietet.

Quelle:

https://hanseyachts.com/de/haendler-dienste

BAVARIA verfügt ebenfalls über ein Händler und Servicenetz für die Betreuung der Eigner.

Quelle:

https://www.bavariayachts.com/de-de/service/haendlersuche

Die Richtung ist damit erkennbar.

Die Frage lautet nicht mehr:

Ob Service kommt.

Die Frage lautet:

Wie konsequent wird er zum Geschäftsmodell?

26. Der nächste Schritt wäre die vollständige Integration

Eine wirklich moderne Yachtmarke müsste irgendwann folgende Kette beherrschen:

Beratung

Konfiguration

Bau

Übergabe

Liegeplatz

Saisonvorbereitung

Nutzung

Überwachung

Wartung

Winterlager

Refit

Modernisierung

Charter oder Sharing

Brokerage

Wiederverkauf

nächste Yacht

Das ist kein einzelner Service.

Das ist ein Ökosystem.

27. Die wichtigste Frage an jede deutsche Werft

Deshalb sollte jede Werft heute eine sehr einfache Frage beantworten:

Was passiert mit unserem Kunden am Tag nach der Übergabe?

Wenn die Antwort lautet:

„Er fährt mit seinem Schiff nach Hause.“

ist das zu wenig.

Die Antwort der Zukunft muss lauten:

„Er beginnt mit uns eine zehn-, fünfzehn- oder zwanzigjährige Beziehung.“

Denn genau dort liegt der eigentliche Wert.

28. Die Chance für den deutschen Segelyachtmarkt

Deutschland muss nicht versuchen, die billigsten Yachten der Welt zu bauen.

Deutschland muss auch nicht zwingend die größten Serien produzieren.

Deutschland kann etwas anderes besonders gut:

Vertrauen.

Handwerk.

Technik.

Ingenieurskunst.

Persönliche Betreuung.

Langfristige Kundenbeziehungen.

Und genau diese Eigenschaften passen hervorragend zu Yacht as a Service.

Die deutsche Segelyacht könnte künftig nicht nur für ihre Qualität bekannt sein.

Sondern für einen Satz:

„Wenn ich diese Yacht kaufe, muss ich mich um nichts mehr kümmern.“

Das wäre ein starkes Verkaufsargument.

Vielleicht sogar das stärkste.

Schlussfolgerung

Die deutsche Yachtbranche braucht deshalb nicht unbedingt einen neuen Verkaufsprospekt.

Sie braucht ein neues Verständnis davon, was sie eigentlich verkauft.

Eine Yacht ist nicht mit der Übergabe fertig.

Eine Kundenbeziehung beginnt nicht mit der Unterschrift und endet nicht mit der Garantie.

Und Service ist kein notwendiges Übel, das Kosten verursacht.

Service ist das Produkt hinter dem Produkt.

Werft und Händler, die diesen Gedanken konsequent umsetzen, können aus einem einmaligen Verkauf eine jahrzehntelange Beziehung machen.

Sie verkaufen nicht mehr nur ein Schiff.

Sie verkaufen Sicherheit.

Sie verkaufen Zeit.

Sie verkaufen Verfügbarkeit.

Sie verkaufen Werterhalt.

Sie verkaufen Nutzung.

Und letztlich verkaufen sie genau das, was der Kunde ursprünglich gesucht hat:

Mehr Zeit zum Segeln.

Der entscheidende Satz für die Branche könnte deshalb lauten:

Eine Yacht zu verkaufen ist ein Geschäft.
Einen Eigner über die gesamte Lebensdauer seiner Yacht zu begleiten, ist ein Geschäftsmodell.

Und genau darin liegt die Chance für die nächste Generation deutscher Yachtunternehmen.

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