tom logisch®

DAS PERFEKTE WACHSYSTEM

Das perfekte Wachsystem gibt es nicht. Aber es gibt das perfekte Wachsystem für DEINE Crew.

Da viele Crews aber nur aus zwei Personen bestehen, muss man sich einige Gedanken mehr machen, wenn es erstmals auf und über den Atlantik geht.

Hier mein System mit Begründung:

Segel bei Nacht

Wenn ich alleine im Cockpit bin und nur zu zweit segle, nutze ich statt Spinnaker einen Gennaker mit Bergeschlauch (alternativ geht natürlich auch die rollbare Variante).

Beide Vorsegel kann ich aus dem Cockpit heraus bedienen (beim Halsen ist eine zweite Hand anfangs hilfreich), und vor allem kann ich beide Segel aus dem Cockpit heraus bergen.

Dazu müssen nur die Leinen des Trichters vom Bergeschlauch mittels eines fliegenden Holepunktes (Ring) ins Cockpit umgelenkt werden. Man installiert am besten eine sehr lange Endlosleine am Trichter, führt beide Leinen durch einen fliegend installierten Ring am Bug ins Cockpit und kann dann von dort das Vorsegel setzen und bergen.

Ich segle nachts nur bei moderaten Bedingungen mit buntem Vorsegel, damit man im Falle eines aufziehenden Squalls weniger Stress beim Reffen hat. Denn es sind meist nur 15 Minuten Zeit vom Erkennen bis zum Reffen.

Daher lieber defensiv und sicher segeln.

Die gemeinsame Wachstunde

Da Sonnenaufgang gegen 7 Uhr und Sonnenuntergang gegen 18 Uhr ist, plane ich immer von 7 und 17 Uhr eine gemeinsame Wachstunde für planmäßige Segelwechsel und gemeinsames Essen ein.

Während das Frühstück schnell zubereitet ist, sollte man für das abendliche warme Essen auch die Zubereitungszeit einplanen.

Die Länge der Nachtwachen

Gemäß den Empfehlungen der RYA und anderer Organisationen sollten die Nachtwachen nur 4 Stunden lang sein.

Durch mein Wachsystem wechselt der Rhythmus täglich. Es gibt also lange und kurze Tage im Wechsel.

Die Belastungen werden gleich verteilt, und jeder hat auch mal Tage mit langen Schlafphasen. Eine erholsame Phase dauert ca. 90 Minuten; in 5 Stunden Schlaf kann man also 3 Phasen durchlaufen.

Ob man dieses System starr umsetzt oder nach den Erfordernissen anpasst, bleibt jeder Crew selbst überlassen.

Aber eines spricht für ein starres System:

Es wird immer etwas dazwischenkommen.

Irgendwas geht kaputt, der Autopilot streikt oder es ist Flaute bzw. tagelang Sturm.

Noch schlimmer wären Erkrankungen.

Vieles geschieht plötzlich und ohne Ankündigung. Dann ist es gut, wenn nicht ein Crewmitglied völlig übermüdet ist.

Daher lieber ein starres System mit gerechter Verteilung einplanen.

Der Wachwechsel

Noch ein Tipp zum Wachwechsel:

Da ja kaum noch jemand Glasen schlägt, muss man seinen Wachpartner wecken und daher wissen, wie der Partner auf das Wecken reagiert.

Es gibt die „Wecken-und-sofort-fit“-Leute und Menschen, die 30 Minuten vom Wecken bis zum Wachantritt brauchen.

Das sollte man einkalkulieren.

Nichts ist schlimmer, als mit bleierner Müdigkeit auf den Wachwechsel zu warten, während die Freiwache ewig nicht fertig wird.

Immer eine Quelle für Streit.

Die gegenseitige Kontrolle

Ganz wichtig ist die strikte gegenseitige Kontrolle der Ausrüstung:

Niemand sollte ohne fertig angelegte Rettungsweste ins Cockpit kommen.

In der Realität sieht es leider fast immer so aus, dass die Weste ins Cockpit geflogen kommt, eine völlig übermüdete Wache hinterher, die sich auch gleich auf der Bank langmacht.

Einpicken wird vergessen, während die bisherige Wache in die Koje fällt.

WER NICHT EINES TAGES ALLEINE AN BORD AUFWACHEN WILL, sollte sein Crewmitglied noch einpicken, alles kontrollieren und natürlich auch Kurs und Segelstellung übergeben.

Übermüdung und ihre Folgen

Ich habe es als Skipper wirklich erlebt, dass die neue Wache (und diese waren zu dritt!!) so übermüdet war, dass immer mehr angeluvt wurde und die Yacht immer schneller lief, allerdings mit immer mehr Krängung.

Nach einiger Zeit kamen mir die Geräusche doch komisch vor. Man hört ja doch ein verändertes Verhalten, und das Schaukeln war anders geworden.

Bis dahin war die Crew fast 30 Minuten rechtwinklig zum Zielkurs gesegelt.

Genau so entstehen auch Patenthalsen. Daher ist ein Bullenstander obligatorisch.

Folgen von Übermüdung sind immer auch Überläufer an der Winsch – richtig gefährlich, wenn man reffen muss.

Kopflampe

Jede Wache sollte nachts auch eine Kopflampe mit Rotlicht dabei haben.

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