tom logisch®

JETZT EINE YACHT KAUFEN?? BIST DU VERRÜCKT❓❓

Das sind schlechte Zeiten. Den Werften geht es schlecht, den Händlern geht es schlecht, die Konjunktur ist schlecht. Da kann man doch nicht über einen Yachtkauf nachdenken.

Vielleicht aber doch.

Wenn du dich schon länger mit dem Gedanken trägst, eine eigene Yacht zu kaufen und mit deinem Geld etwas Sinnvolles zu machen, gibt es gerade jetzt ein paar Gründe, die dafür sprechen.

Zum einen werden neue Yachten ständig teurer. In den letzten 20 Jahren habe ich eigentlich keinen einzigen Tag erlebt, an dem Material- und Yachtpreise nachhaltig gesunken sind. Zubehörhersteller kommen nicht zu uns und sagen: „Wir senken die Preise.“ Im Gegenteil.

Dazu konkurrieren die Rohstoffe für Yachten inzwischen teilweise mit der Rüstungsproduktion – bei Edelstahl, Kupfer und Elektronik. Die Mengen, die Yachthersteller abnehmen, sind im Vergleich dazu relativ klein. Diese steigenden Kosten finden sich am Ende natürlich im Kaufpreis wieder.

Wir haben als Großhändler fast jede Woche Preissteigerungen, Lieferpreisverteuerungen oder irgendwelche Zuschläge. Und bei einer Werft ist das genauso, nur in ganz anderen Dimensionen.

Du kannst also ziemlich sicher davon ausgehen, dass neue Yachten nicht billiger werden.

Gut, dann kaufe ich mir eine gebrauchte Yacht.

Das ist grundsätzlich eine gute Idee, vor allem, wenn man handwerklich selbst etwas machen kann. Wer dagegen komplett auf Handwerker angewiesen ist und sämtliche Reparatur- und Ausrüstungsarbeiten vergeben muss, wird schnell feststellen, dass auch die Lohnkosten in Deutschland nur eine Richtung kennen: nach oben.

Dazu kommt der Fachkräftemangel. Viele Handwerksbetriebe werden kleiner oder machen sogar zu. Gleichzeitig ist die Nachfrage im Ausrüstungs- und Reparaturbereich ungebrochen, weil tausende Boote im Markt sind. Die verschwinden ja nicht, nur weil gerade eine Konjunkturkrise herrscht. Sie müssen weiter gepflegt und repariert werden.

Trotzdem lohnt sich der Gebrauchtmarkt. Man kann dort teilweise mehr als die Hälfte des Preises einer neuen Yacht sparen. Und gebrauchte Yachten haben manchmal eine deutlich bessere Bauqualität oder interessantere Designs als vieles, was heute als modern auf den Markt kommt.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich auch einmal fertige Boote anschauen. Wenn man ein fertiges Schiff vom Händler kauft, kann man Geld gegen Boot tauschen, eventuell einen guten Rabatt aushandeln und muss vielleicht beim einen oder anderen Ausstattungswunsch einen Kompromiss machen.

Dafür hat man nicht das Risiko, dass während der Bauphase die Werft Probleme bekommt und das Boot nicht rechtzeitig oder vielleicht gar nicht fertig wird.

Und genau hier kommt die Frage nach der Ausrüstung ins Spiel.

Viele Werften bieten Langfahrtausrüstung wie Wassermacher, Klimaanlagen, Windgeneratoren, Hydrogeneratoren oder Solaranlagen gar nicht oder nur zu hohen Zusatzkosten an. Außerdem sind viele Werften an bestimmte Hersteller gebunden. Wer eine bestimmte Ausrüstung möchte, kann deshalb schnell an Grenzen stoßen.

Man kann natürlich ein Standardschiff kaufen und die Ausrüstung später selbst einbauen oder einbauen lassen. Das kann sinnvoll sein, allerdings wird eine nachträgliche Installation schnell aufwendig und teuer – besonders wenn das Schiff dafür noch einmal aus dem Wasser muss oder Kabel, Schläuche und Klimaleitungen nachträglich verlegt werden müssen.

Deshalb sollte man möglichst schon beim Kauf klären, welche Ausrüstung man wirklich haben möchte und was die Werft vorbereitet.

Viele Eigner machen es letztlich so: Sie übernehmen das Schiff, segeln zunächst ein oder zwei Saisons in der näheren Umgebung und beseitigen die letzten Kinderkrankheiten. Erst danach wird die endgültige Langfahrtausrüstung eingebaut.

In den nächsten Tagen beginnt die Messesaison mit der größten In-Water-Boat-Show in Cannes.

Wenn du dich wirklich für eine Yacht interessierst, würde ich dir empfehlen, dir die Zeit zu nehmen und nach Cannes zu fahren. Es gibt kaum einen besseren Platz, um neue Yachten in ihrem Element zu sehen und direkt mit Händlern über Konditionen und Ausstattung zu sprechen.

Denn auch wenn eine Yacht heute teuer ist: Vieles spricht dafür, dass sie nicht günstiger wird. Finanzierungskosten können weiter steigen, Rohstoffpreise ebenfalls. Gleichzeitig verliert das Geld, das du vielleicht angespart hast oder das in deiner Immobilie steckt, durch die Inflation an Wert.

Also mein Fazit:

Wenn du schon länger über eine eigene Yacht und das Segeln nachdenkst, würde ich nicht automatisch sagen: „Jetzt ist eine schlechte Zeit.“

Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, sich intensiv mit dem Markt zu beschäftigen, Preise zu vergleichen, den Gebrauchtmarkt anzuschauen und auf den Messen mit Händlern zu verhandeln.

Und wenn das passende Schiff dabei ist, dann sollte man es auch machen.

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